ZWR zieht Bilanz nach erfolgreichem „Trouble-Shooting“

Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe im ZWR-Versorgungsgebiet

Pfarrkirchen. Juni 2016. Nachdem der Sommer 2015 von einer lang anhaltenden Trockenperiode geprägt war, gibt es heuer eine Starkregenperiode, die mit Tief Elvira im Landkreis Rottal-Inn schlagartig zur Bedrohung wurde. Für Mensch und Tier, für die Ernte, aber auch für die Trinkwasserversorgung. Von der Unwetterkatastrophe war auch der Zweckverband Wasserversorgung Rottal (ZWR) betroffen – zwar bei weitem nicht so stark wie die Kollegen in der Region Simbach, aber auch im ZWR-Versorgungsgebiet ging am Spätnachmittag und Abend des 1. Juni 2016 aus mehreren Bereichen die Meldung „Landunter“ ein.

b7-b009-20160602_085001

Als die Sintflut kam …

Kleine Bäche wurden in Minutenschnelle zu reißenden Wasserströmen, Brücken weggerissen, Abflüsse verstopft, lockeres Erdreich auf den Felder weggespült und von den Hügeln suchten sich Erde, Geäst und Wasser ihren Weg ins Tal, wo Weiden, Stallungen und Häuser zeitweilig mannshoch unter Wasser standen. „Wo man hinschaute sah man nur auf Schlamm und Wasser und in leere Gesichter“, so ein Augenzeuge. Weder der langjährige ZWR-Vorsitzende Otto Haslinger noch der frühere ZWR-Werkleiter Bernd König, der fast 40 Jahre im Amt waren, hatten bisher eine derartige Katastrophe erlebt, die viele Experten auf Auswirkungen des Klimawandels zurückführen.

Für die Betroffenen vor Ort galt es ad hoc in den Krisenmodus umzuschalten und in Windeseile eine TaskForce zusammenzustellen, um Gefahren für die Trinkwasserversorgung der rund 13.000 Kunden des ZWR abzuwenden sowie mögliche Schäden an der Infrastruktur – mit rund 275 Kilometern Haupt- und 154 Kilometer Hausanschlussleitungen – umgehend zu beseitigen.

a7-b-009-DSC00122vzkl-doppZWR-Werkleiter Diplom-Ingenieur Markus Schmitz: „Es erwies sich als großes Glück, dass wir bereits 1999 unsere Betriebs-GmbH für Baudienstleistungen, die WTR, gegründet hatten. Hier arbeiten derzeit sieben Fachleute aus verschiedenen Gewerken – dem Tiefbau und der Wassertechnik – zusammen und demnächst wird auch noch ein Elektrotechniker das Team verstärken. Dann sind wir künftig auch für Fälle gerüstet, wie beim Druckbehälterpumpwerk in Opping im Gemeindegebiet Wittibreut, wo ein Trafo-Ausfall zu einem vorübergehenden Druckverlust und damit zu einer möglichen Gefährdung durch Keime im Leitungsnetz führte. Dann können wir auch Schäden im Bereich der Elektrik umgehend beheben, weil wir nicht mehr auf externe Dienstleister angewiesen sind. Unsere WTR-Mannschaft ist äußerst schlagkräftig – flexibel, qualifiziert und hochmotiviert.“

b7-b009-DSC00004str

v.l.n.r.: Technischer Betriebsleiter Hubert Vitzthum und Wassermeister Roland Kainz vom ZWR

Die ZWR-Verantwortlichen, allen voran der technische Betriebsleiter Hubert Vitzthum und Wassermeister Roland Kainz sowie das gesamte WTR-Team waren noch in der Nacht mit den entsprechenden Gerätschaften, wie Maschinen und Bagger etc., ausgerückt und hatte gemeinsam mit Kollegen der Wasserversorgungen Oberes Kollbachtal (ZWOK) in Falkenberg und Mittlere Vils (WMV) in Aham – mit beiden verbindet den ZWR eine enge Partnerschaft – dafür gesorgt, „dass wir schnell einen Überblick über die Lage hatten und sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten konnten“. Wir mussten nicht auf externe Fachkräfte warten, die zu dieser Zeit im gesamten Katastrophengebiet händeringend gebraucht wurden.“

Auch wenn aufgrund des schnellen Eingreifens von ZWR und WTR vieles rechtzeitig gesichert werden konnte, so waren doch einige Schäden nicht zu verhindern. Was in Folge natürlich nicht ohne Auswirkungen auf den Haushaltsplan des kommunalen Zweckverbands bleiben wird. Die Bestandsaufnahme zur Ermittlung der genauen Schadenshöhe läuft derzeit noch.

Hochwasserschäden im Gemeindegebiet Triftern
Be- und Entlüftungsschacht – mit Hochwasser kontaminiert

b7-b009-DSC00116klIn Anzenkirchen in der Gemeinde Triftern stand beispielsweise das ZWR-Ersatzteillager – wie die gesamte umliegende Region – rund 1,80 Meter unter Wasser. Zudem war ein nahe gelegener Be- und Entlüftungsschacht voll Wasser gelaufen, woraufhin schnellstens an diversen Stellen Wasserproben genommen werden mussten, um sicherzustellen, dass kein Oberflächenwasser in die Anlage und damit ins Trinkwassernetz gelangt war. Was Gott sei Dank nicht der Fall war. Bis zur Entwarnung wurde die ZWR-Wasserversorgung der Anwohner kurzzeitig abgeschaltet und – zusammen mit dem ZWR-Kooperationspartner, den Stadtwerken Pfarrkirchen – im Notverbund über Grub organisiert.

Ersatzteillager in Anzenkirchen – Chaos kurz nach dem großen Regen
Ersatzteillager in Anzenkirchen – ca. 14 Tage nach dem Unwetter

b7-b009-DSC00130Das Ersatzteillager allerdings wird künftig nicht mehr nutzbar sein, ebenso wenig die dort gelagerten Materialien, die mit einem zähen Schmierfilm – unter anderen aus Öl und Benzin – kontaminiert waren. Hier muss ein neuer Standort gesucht werden. Interimsmäßig wurde ein provisorisches Lager im Maschinenhaus Egglham eingerichtet, so dass alle Voraussetzungen geschaffen sind, beispielsweise bei Rohrbrüchen, gewohnt schnell und professionell zu reagieren.

Hochwasserschäden im Gebiet Eichhornseck-Reut-Noppling-Edermanning

Aufgrund von Überflutungen im Gebiet Eichhornseck-Reut-Noppling-Edermanning wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt angeordnet, dass die Bewohner vorsorglich das Trinkwasser für den menschlichen Verzehr abkochen sollen. Die Anordnung bestand so lange, bis alle Ergebnisse der gezogenen Proben aus den Laboren vorlagen und konnte am 21. Juni wieder aufgehoben werden.

Hochwasserschäden in der Gemeinde Wittibreut
Brücke bei Wittibreut – hier riss das Wasser die halbe Straße weg und beschädigte eine ZWR-Hauptleitung

In der Gemeinde Wittibreut hatte es – an der Brücke über den Fatzöder Bach bei Holzen Richtung Ulbering den größten Schadensfall im ZWR-Versorgungsgebiet gegeben. Unter dem normalerweise kleinen, friedlichen Bach verlief eine der Hauptversorgungsleitungen für dieses Gebiet. Durch die Flut wurde die Brücke weggerissen und ein ZWR-Hydrant sowie die Leitung kurzfristig beschädigt, als das Bachbett ausgespült wurde.

b7-b009-20160601_220006Ab Donnerstag, dem 2. Juni, wurde hier als Akutmaßnahme das Wasser vorsorglich gechlort, während für einige umliegenden Anwesen eine provisorische, sogenannte fliegende Leitung, gelegt wurde, bis der Schaden an der Hauptleitung wieder repariert war. Auch hier konnte der ZWR absolut zeitnah reagieren, da vom Partnerzweckverband Oberes Kollbachtal kurzfristig die mobile Chlordosage-Anlage ins Erschließungsgebiet für Wittibreut, nach Wolkertsham, geschafft wurde.

Markus Schmitz: „Mit meinem Stellvertreter Rainer Obermeier haben wir glücklicherweise einen Fachmann, der mit der Handhabung der Anlage und der dazugehörigen Messgeräte bestens vertraut ist. Es hat sich in diesem Fall erneut bewiesen, wie wichtig es ist, dass wir als Wasserversorger fachlich qualifiziertes Personal vorhalten. Damit sind wir auch für Ausnahmefälle optimal gerüstet.“

Die Chloranlage wurde seinerzeit für alle drei Partner – ZWR, ZWOK und WMV – für Notfälle angeschafft, zentral in Falkenberg stationiert und nun bei Tief Elvira das erste Mal eingesetzt: „Hier zeigte sich, dass die Kooperation der drei Wasserversorgungsunternehmen bestens funktioniert – auch in brenzligen Ausnahmefällen.“ Da es eine Zeitlang dauert, bis sich das Chlor im gesamten Netz verteilt, wurde in diesem speziellen Fall stoßgechlort, d.h. eine bestimmte Menge frische Chlorbleiche wurde anfangs direkt in den Saugbehälter der Anlage gefüllt und im Anschluss die vorgeschriebene Dosierung über die Dosage-Anlage konstant gehalten. Nach der Aufbereitung wurde das gechlorte Wasser dann in die Reinwasserschleife eingespeist.

Die Maßnahme erwies sich als erfolgreich – alle Untersuchungsergebnisse der beauftragten Labore zeigten, dass das Trinkwasser absolut keimfrei war. Die Chlorung konnte am Montag, den 13. Juni, eingestellt werden. Die Anordnung, das Trinkwasser sicherheitshalber abzukochen, wurde noch bis Freitag, den 17. Juni, aufrechterhalten – bis alle endgültigen Untersuchungsergebnisse vorlagen. Die weggerissene Brücke über dem Bach konnte dagegen nicht ganz so schnell repariert werden. Hier hat der THW als Sofortmaßnahme vorerst eine provisorische Brücke gebaut, damit auch der Verkehr wieder fließen kann.

Brücke bei Wittibreut – THW baut ein Provisorium
Welche Lehren aus der Katastrophe für die Zukunft zu ziehen sind

Markus Schmitz: „Jetzt, wo wir alles soweit wieder im Griff haben, gilt es – am besten zusammen mit dem Gesundheitsamt und anderen Wasserversorgern – Bilanz zu ziehen, denn wir müssen uns wohl auch in Zukunft auf verstärkte Trockenperioden oder Starkwetterlagen, wie in diesem Sommer, einstellen. Da sind eine weitere Vernetzung sowie ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch sicherlich hilfreich. Der ZWR setzt ja bereits seit vielen Jahren auf Kooperationen, auch über seine Verbandsgrenzen hinaus. Dieses Konzept sollten wir künftig weiter intensivieren. Aus Gründen der Versorgungssicherheit, aber auch aus finanziellen Gründen.“

Das jüngste Projekt in dieser Richtung ist beispielsweise das geplante interkommunale Wasserversorgungskonzept von ZWR, dem Markt Bad Birnbach und der Stadt Pfarrkirchen. Hier wurde im vergangenen Herbst beschlossen mittel- und langfristig gemeinsam nach Brunnenstandorten nahe der Hauptleitungen zu suchen und die vorhandenen Infrastrukturen gemeinsam zu nutzen. Otto Haslinger: „Gerade die aktuelle Situation hat gezeigt, wie wichtig es ist, verstärkt Synergien zu nutzen, denn mit den Herausforderungen der Zukunft sind einzelne Gemeinden sowohl finanziell wie auch personell überfordert. Ich möchte in diesem Zusammenhang dem ZWR und allen anderen Helfern mein Kompliment aussprechen. Das Meistern dieser außerordentlichen Situation hat wirklich ganz hervorragend geklappt.“

Ein anderes Thema, das der ZWR nach dieser Katastrophe verstärkt vorantreiben wird, ist der Anschluss der immer noch vielen privaten Einzelbrunnen an das gemeinschaftliche ZWR-Versorgungsnetz. Denn private Brunnen sind weitaus weniger geschützt, wenn aufgrund Hochwasser Verschmutzungen auftreten oder in anhaltenden Trockenperioden die singulären Quellen versiegen. Markus Schmitz: „In beiden Fällen können wir – nicht zuletzt durch unsere Kooperationen und Notverbunde mit anderen Wasserversorgern – im zentralen Netz i.d.R. schnell Abhilfe schaffen. Wir bekommen gerade in diesen Tagen vermehrt Anrufe von Besitzern privater Brunnen, auch von jenen, die bisher wenig Interesse an einer Anbindung ans zentrale ZWR-Versorgungsnetz hatten, da die Versorgung mit sauberem Trinkwasser über Privatbrunnen künftig immer schwieriger werden wird, aber entsprechende Vorsorgemaßnahmen für Privatleute sich meist nicht mehr rechnen bzw. teilweise gar nicht möglich sind.“

Print Friendly